Schnelle, nichtnachhaltige Lösung – Augenwischerei

Thuner Tagblatt, Januar 2009

Aussagen über die Entwicklung des Strommarktes sind schwierig und spekulativ. Damit lassen sich auch keine Argumente für oder gegen den Verkauf der Aktien untermauern. Dass die Stadt Thun finanziell nicht gut dasteht, Schulden entstehen, ist faktisch jedoch bestens nachzuweisen. Nun so zu tun, als ob das Geschäft, über welches wir am 8. Februar abstimmen, kein finanztechnisches Unterfangen ist, finde ich feige. Würde man nämlich den finanziellen Aspekt aus der laufenden Diskussion ausklammern, blieben mehr oder weniger beidseits nur noch Argumente, welche sich im spekulativen, vermutenden Bereich befänden.

Also bleibe ich lieber bei den Finanzargumenten. Ich bin gegen die Beschönigungsstrategie durch Verkauf von Besitztümern. Psychologisch gesehen entstehen durch aussergewöhnliche Einnahmen nämlich primär neue Bedürfnisse sowie ein Gefühl der Entspannung der prekären finanziellen Lage. Menschlich und verständlich. Genau dies will ich aber nicht, darum stimme ich gegen einen Verkauf der Aktien. Viel lieber als „schnelle, nichtnachhaltige Augenwischerei“ ist es mir, die umfangreichen und komplexen Hausaufgaben wirklich zu leisten. Die Art und Weise der Verkaufsbefürwortenden, bei Nichtverkauf der Aktien dann einfach plakativ mit Steuererhöhung zu drohen, empfinde ich als hilflos. Wer schnell und nichtnachhaltig Geld reinholen will, scheint an der wirklichen Hausaufgabe – die langfristige Verbesserung der Einnahme- wie Ausgabeseite der Stadt Thun, resigniert zu haben oder einfach überfordert zu sein. Die verkürzte Argumentation der Steuererhöhung bei Nichtverkauf beweist dies eindrücklich.

Jonas Baumann-Fuchs; Stadtrat EVP, Thun

 

zurück

 
webdesign thun: luginbuehl.com