Zwischen Gräuel und Gräuel

Thuner Tagblatt April 2003

Wir leben in einer merkwürdigen Welt

Der Krieg in Irak macht viele Menschen sprachlos und bringt uns in ein moralisches Dilemma. Auf der einen Seite mögen wir Präsident George Bush als kriegslustigen, unüberlegten und ungeduldigen Machthaber emfinden, auf der anderen Seite wissen wir alle, wie schrecklich Saddam, gerade nach dem letzten Krieg und seither immer wieder, Menschen behandelt. Es ist beinahe unmöglich, in diesem Tyrannen gesunde Anteile zu finden.

Es geht also nicht darum, zwischen Gut und Böse zu wählen. Es ist eine Wahl zwischen einem Gräuel und einem anderen. Leider ging und geht das in den meisten Demonstrationen unter. Das jetzt im Krieg sichtbar Schreckliche war vorher, ohne offensichtlichen Krieg, auch da. Schuldig wird man auch, wenn man bei den Leiden anderer einfach zuschaut, doch Nichtkrieg heisst noch lange nicht Frieden.

Die Welt hat wohl zu lange zugeschaut, nun ist ein "Machtmensch" zur Tat geschritten. Dass er Verantwortung übernommen hat, ist meines Erachtens vorbildlich, leider hat er aber nicht verstanden, dass der Krieg nicht die Lösung bringt, sondern eher neue Probleme. Einseitige Schuldzuweisungen sind aber definitiv zu einfach.

Jonas Baumann

 

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