Verbote helfen da nicht – ganz im Gegenteil
Berner Zeitung November 1999
Sekten-Informationsstelle ist zu sehr abgehoben
Es braucht einiges an Wissen und Erfahrung sowie eine neutrale, objektive, ehrliche Sicht der Dinge, um diese Aufgabe differenziert lösen zu können. Sicher ist, dass es dieser schwierigen Thematik nicht schadet, wenn sie endlich einmal zum Diskussionspunkt wird. Erneut will man mit Verboten der Sache Meister werden.
Interessanterweise werden in unserem Staat respektive in der Politik viele Probleme mit solchen oder ähnlichen Methoden gelöst – oft nicht sehr erfolgsversprechend. Mit Verboten kann die Wirksamkeit einer Gruppierung nicht verändert und bekämpft werden, im Gegenteil, es kann sie sogar verstärken. Meiner Ansicht nach braucht es viel mehr als neue Gesetze kompetente und seriöse Information, Unterscheidungshilfen.
Ab-/Eingrenzungen, Definitionen – einfach eine Offenlegung der verschiedenen Gruppierungen, ohne Bewertung. Ihre Gefahren, Schwerpunkte, Arbeitsweisen müssen von offzieller Stelle differenziert und fliessend erfasst werden. Das heisst, dass immer wieder Informationen über dies Gruppierungen veröffentlicht werden müssen, mit der Chance für die jeweilige Gruppe, dass auch Veränderungen erfasst werden. Zudem braucht es gerade für diese Gruppierungen Fachkräfte, die sie auf verschiedene Tendenzen hinweisen und so auch kommunikativ die Brücke schlagen. Mehr als eine Orentierungshilfe für die "Allgemeinheit" darf daraus nicht entstehen.
Jonas Baumann