Zu Besuch bei Jonas Baumann-Fuchs
Du bist Mitredaktor der «berner EVP-Zeitung», seit über sechs Jahren im Vorstand der EVP Thun, Einsitz in der Fraktion der Mitte (EVP & CVP) und hast bei diversen Wahlen kandidiert. Ende November stehst du in Thun als Gemeinde- und Stadtratskandidat zur Verfügung, was motiviert dich zum politischen Schaffen.
In der Lehrerausbildung, im Studium, in Weiterbildungen und bei der täglichen Arbeit begegne(te)n mir immer wieder Fragestellungen, die vor allem auf der politischen Ebene beantwortet werden müss(t)en. Viele Erfahrungen primär im sozialen Bereich zeigen mir, dass Entscheide oftmals nicht für den Mensch gefällt werden, sondern reine «Kässelientscheide» sind. Keine Angst, auch mir ist klar, dass Geld vorhanden und verdient sein muss. Ich bin aber der Meinung, dass gewisse aktuelle Politlösungen nur sehr kurzfristig einen «Spareffekt» aufweisen oder dann nur in einer bestimmen Kasse – also eher Scheinlösungen sind! Zudem behaupte ich mal ganz frech, ohne Investition stirbt das Volk.
Als Psychologe betreust du lehrstellenlose Jugendliche und andere «leidende» Menschen, vielleicht siehst du da auch einfach nur eine Seite der Medaille.
Als Mitarbeiter in verschiedenen Arbeitsgruppen einer Stiftung, Geschäftsleiter der Dienstleistungsorganisation MOSAICSTONES sowie aus der Organisationspsychologie kenne ich die andere Seite auch. Ich verstehe sogar, wenn man sich differenziert über «soziale Schmarotzer» nervt. Desgleichen fordere ich aber auch dazu auf, sich über «wirtschaftliche Schmarotzer» mindestens so stark zu nerven. In diesem Bereich scheinen einige unsere Politiker «komischerweise» weniger Aktivismus zu entwickeln, Gesetze gegen diesen Missbrauch durchzusetzen. Sicher ist es so, dass ich unsere Gesellschaft daran messe, wie sie mit den «Schwächsten» umgeht, daran zeigt sich für mich der Grad der Solidarität. Ob dies deswegen einfach nur einseitig ist?
Mit deinem Engagement bei der EVP, aber auch mit der Gründung von MOSAICSTONES im Jahr 2000 – eine Dienstleistungsorganisation für wertorientierte Projekte und Medien, setzst du dich seit Jahren aktiv für Werte in unserer Gesellschaft ein. Wieso ist dir dies so wichtig?
Es mag jetzt etwas komisch klingen, aber ich bin froh, dass unsere Werte kritisch hinterfragt werden. Wo dies nicht mehr geschieht oder geschehen darf, wird mir Angst und Bange – bleiben wir stehen, werden ungeniessbar. Wenn Hinterfragen aber dazu führt, das Kind mit dem Bad auszuschütten, finde ich es sehr problematisch. Denn Innovation braucht auch Tradition und umgekehrt. Ich bin überzeugt und darum auch mein Einsatz, dass auf der Basis des christlichen Glaubens, viel gesundes, eben wert-volles entstehen kann und schon entstanden ist!
Danke für das Gespräch!